Makuladegeneration
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Risiko durch Graue-Star-OP

aktualisiert 12.04.2016

In den letzten Jahren haben uns immer mehr Betroffene über zum Teil dramatische Sehverschlechterungen nach einer Grauen-Star-Operation berichtet. Hierbei handelte es sich häufig um Betroffene, die vor der OP bereits an einer Makuladegeneration litten. Diese uns auffällig erscheinende Häufung von Sehverschlechterungen nach Grauen-Star-OPs bei vorliegender Makuladegeneration (ob diese zum Zeitpunkt der OP bekannt war oder nicht) war der Anlass für eine Recherche, die wir bereits im Jahre 2002 durchführten.

Wir konnten damals folgendes zur Grauen-Star-Operation recherchieren: Das allgemeine Risiko einer Komplikation durch eine Graue-Star-Operation liege bei 0,4 bis 4,2%. Spezielle Risiken seien ein Makulaödem, (starke) Netzhaut-Blutungen - schlimmstenfalls bis zur Erblindung, Netzhautablösung (bei 1% bis 2% der OPs). Vergrößerung der Gefäßmembran bei feuchter MD, Glaskörpervorfall, Entzündungen, Hornhauttrübungen und Nachstarbildung. Komplikationsraten, Art und Ausmaß der möglichen Komplikationen seien den meisten Betroffenen vor der Grauen-Star-OP nicht hinreichend bekannt gewesen. Die zu erwartende Sehschärfe nach Grauer-Star-OP sei, sofern keine Komplikationen eintreten, einigermaßen abschätzbar. Es gibt dafür Untersuchungsverfahren.

Diese Ergebnisse und insbesondere unsere Erfahrungen mit vielen Patientenschicksalen nahmen wir 2002 zum Anlass für eine Pressemitteilung. Darin wiesen wir auf einen möglichen Zusammenhang zwischen einer Kataraktoperation und der Verschlimmerung einer Makuladegeneration hin. Wir rieten zu einer vorsichtigen Vorgehensweise. Diese Pressemitteilung stieß in Fachkreisen auf deutlichen Widerstand und man sprach von "unnötiger Panikmache" und behauptete, dass die Graue-Star Operation eine sehr sichere Operation sei.

Wir sind sehr froh, dass unsere Pressemitteilung anscheinend manchen Spezialisten zum Nachdenken bzw. zum Nachforschen angeregt hat. Im Jahre 2005 konnten wir es dann schwarz auf weiß in einer Fachzeitschrift für Augenheilkunde (Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2005; 222: 409 - 412) lesen. Nachdem man sich ältere Studien noch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachtet hatte kam man dabei zu folgenden Erkenntnissen:

  • 15% der Graue Star-Operierten mit bestehender Makuladegeneration litten nach der Operation unter einer Sehverschlechterung.
  • 10x mehr Graue Star-Operierte entwickelten eine feuchte Makuladegeneration als Nichtoperierte.

Man kam zu dem Schluss, "... dass man vor einem erhöhten Risiko für die Progredienz (Fortschreiten) einer AMD durch eine Kataraktoperation ausgehen muss. Auf dieses Risiko muss ein Patient insbesondere in Gegenwart von Hochrisikomerkmalen wie weichen Drusen vor dem Eingriff im Rahmen des Aufklärungsgespräches hingewiesen werden." Man rät auch, eine Graue-Star-Operation bei vorliegender Makuladegeneration nur noch dann durchzuführen, wenn tatsächlich eine "klinisch relevante Trübung" vorliegt.