Makuladegeneration
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Großer Vergleich: Schul- und alternativmedizinische Therapieverfahren bei Makuladegeneration

Über 3.000 Patienten haben uns inzwischen ihre Erfahrungen mit verschiedensten Verfahren bei Makuladegeneration mitgeteilt.

Ergebnisse:
Die aktuell erfolgreichsten Therapien bei feuchter Makuladegeneration:
Injektionen mit VEGF-Hemmern & Makula-Therapie nach Hancke
(und deren Kombination)
Die aktuell erfolgreichste Therapie bei trockener Makuladegeneration:
Makula-Therapie nach Hancke
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Tabelle Therapieverfahren bei AMDGroßer Vergleich der
Therapien bei AMD
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Therapien aus Schul- und Alternativmedizin. Was sagen Betroffene zu Wirksamkeit und Risiken.
Die beiden effektivsten Therapien Die effektivsten Therapien
aus Schul- und Alternativmedizin
bei Trockener und Feuchter AMD
Was bringen sie wirklich?
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Stand: 14. Januar 2014

Makuladegeneration & VITAMINE & CO - NAHRUNGSERGÄNZUNGSMITTEL
Anwendungsgebiet: Trockene und feuchte Makuladegeneration

1. Erläuterungen zu Nahrungsergänzungsmitteln

Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind Nahrungsergänzungsmittel Produkte, die aus Nährstoffen oder sonstigen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung in konzentrierter Form bestehen. Das können Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, Aminosäuren, aber auch Ballaststoffe, Pflanzen oder Kräuterextrakte sein. Diese können synthetischen (industriellen) oder natürlichen Ursprungs sein.

Diese Stoffe sind grundsätzlich wichtig für viele biochemische und physiologische Vorgänge im menschlichen Körper und im besonderen auch im Auge. Sie bestimmen bzw. beeinflussen dort maßgeblich den Zellstoffwechsel und das geregelte Zellwachstum und sollen zudem die Zellen vor äußeren Einflüssen schützen.

Einige Vitamine verfügen über sogenannte antioxidative Eigenschaften und haben dadurch die Möglichkeiten, Schäden durch freie Radikale vorzubeugen. Freie Radikale sind bestimmte Moleküle, deren zerstörerische Wirkung in erster Linie gegen Fettsäuren in den Zellmembranen oder der DNA in den Zellen gerichtet ist. Diese Schädigungen können letztendlich zum Untergang der betroffenen Zellen führen.

Die Entstehung von freien Radikalen wird insbesondere durch Licht und Sauerstoff begünstigt. Damit ist das Auge wegen seiner besonderen Beziehung zum Licht sowie seiner äußerst guten Sauerstoffversorgung genau das Organ, das am stärksten den Angriffen der freien Radikalen ausgesetzt ist. Denn die Netzhaut ist sehr reich an ungesättigten Fettsäuren - dem wichtigsten Angriffsziel der freien Radikale.

Umgekehrt ist das Auge aber auch dieser besonderen Belastung bestens angepasst, indem es über die höchste Konzentration von Antioxidantien im gesamten Organismus verfügt. Aus diesen Sichtweisen heraus erklären sich medizinische Versuche, den Krankheitsverlauf einer MD mit Vitaminen oder Mineralstoffen positiv zu beeinflussen.

Dr. Andreas Berke schreibt in seiner Veröffentlichung "Vitamine und Auge" in Optometrie 2001, es sei festgestellt worden, dass längere Mangelzustände z.B. an Vitamin A schließlich zu einer Degeneration der Netzhaut führten. Aus dieser Sichtweise heraus erklären sich medizinische Versuche, den Krankheitsverlauf einer MD mit Vitaminen oder Mineralstoffen positiv zu beeinflussen.

In einer Studie, der so genannten Rotterdamer Studie, die 2005 vorgelegt wurde, ging es generell um die Risikofaktoren für die Gesundheit älterer Menschen. Über 8.000 Personen wurden über längere Zeit unter anderem auch über ihr Ernährungsverhalten befragt. Personen, die bei der Einnahme von Betakarotin, Vitamin C und E sowie Zink über die Nahrung über dem Durchschnitt lagen, erkrankten zu 35% seltener an AMD. Eine Prophylaxe mit vitaminreicher Ernährung erschien demnach sinnvoll.

Aus diesen Betrachtungsweisen und Erkenntnissen heraus, scheint es sinnvoll, Nahrungsergänzungsmittel regelmäßig einzunehmen. Aber ist das wirklich so sinnvoll und so ungefährlich, wie man es gemeinhin annimmt?

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2. Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln

Es gibt auf dem Markt eine Reihe von speziellen AMD-Präparaten, die meist als Nahrungsergänzung angeboten werden. Sie enthalten mehr oder weniger hoch dosierte Vitamin- und Mineralien-Kombinationen. Viele davon sind angereichert mit den Carotinoiden Lutein und Zeaxanthin. Diese Präparate sind oftmals täglich einzunehmen.

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3. Chancen mit der Behandlung von Nahrungsergänzungsmitteln

Die Aussagen darüber sind teilweise extrem widersprüchlich. Es gibt viele Studien zum Thema Wirksamkeit von Vitaminen und Mineralstoffen. Eine der bekanntesten und größten betreffend Makuladegeneration ist die so genannte AREDS1-Studie aus dem Jahr 2001. AREDS bedeutet Age-Related Eye Desease Study (Altersbezogene-Augenkrankheiten-Studie). Die Veröffentlichungen zu den Ergebnissen der AREDS1 lauten z.B., die Entwicklung einer fortgeschrittenen AMD würde durch die Kombination von hohen Dosierungen von Vitamin C (500 mg), Vitamin E (400 IU), ß-Karotin (15 mg), Zinkoxid (80 mg) und Kupferoxid (2 mg) um 28% vermindert.

Der Kommentar des BVA (Berufsverbandes der Augenärzte) zur AREDS1 lautet, es ließen sich sowohl der Prozess eines kontinuierlichen Sehschärfenverfalls wie die zunehmende Verschlechterung des morphologischen Befundes in definierten Stadien der AMD verzögern.

Im krassen Gegensatz dazu steht die Veröffentlichung eines Wissenschaftlers: Es seien nicht so sehr wissenschaftlich überzeugende Gründe, die den Einsatz von Antioxidantien, Spurenelementen oder Lutein nahe legen, sondern die Tatsache, dass trotz nicht eindeutig nachgewiesener Wirksamkeit die Anwendung dieser Mittel der (medizinisch ungebildeten) Bevölkerung leicht schmackhaft gemacht werden könne.

Das möchten wir nachfolgend unter Risiken und Stellungnahme näher beleuchten.

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4. Risiken und Nebenwirkungen mit der Behandlung von Nahrungsergänzungsmitteln

Dr. Andreas Berke schreibt, da Vitamine nur in kleinen Mengen vom Körper gebraucht werden, genüge eine ausgeglichene Nahrungsaufnahme vollkommen, um den täglichen Bedarf zu decken. Die Einnahme zu großer Mengen eines Vitamins könne bei einigen Vitaminen zu Vergiftungserscheinungen führen. Dies stehe der Ansicht vieler Laien entgegen, dass Vitamine, da sie in der Natur vorkommen, vollkommen ungefährlich seien.

Das in der ARED-Studie verwendete ß-Karotin sei bei Rauchern und ehemaligen Rauchern kontraindiziert, das heißt, es sollte dann nicht eingenommen werden, da frühere Studien einen gefährlichen Zusammenhang zwischen ß-Karotin und Lungenkrebs gezeigt haben. Das die ARED-Studie durchführende National Eye Institute berichtet, dass ca. 7,5% der Studienteilnehmer sich in medizinische Behandlung begeben mussten, weil sie an Problemen im Prostata- und Urogenitalbereich litten. Zusätzlich kam es in manchen Fällen zu Anämien (Blutarmut). Dies wurde auf die Wirkung von Zink zurückgeführt, das ein Bestandteil des Kombinationspräparates in der ARED-Studie war.

Unter www.augeonline.de war Folgendes zu lesen: "Vitamine, Spurenelemente, Nahrungsergänzungssubstanzen: Getreu dem Motto »Schaden kann's auch nicht' wird hier manchmal zu viel des Guten getan. Eine amerikanische Homepage (www.macd.net/vitamintool) bietet eine Möglichkeit, um ausrechnen zu lassen, ob die persönlich genommenen Präparate sich nicht negativ aufaddieren."

Die widersprüchlichen Informationen zwingen uns, hier kurz auf einzelne Vitamine einzugehen. Dabei beziehen wir uns auf wissenschaftliche Quellen:

Vitamin C: Die empfohlene Standarddosis beträgt 20 bis 50 mg. Die Dosierung im ARED-Cocktail lag rund 20-mal höher. Wenn Vitamin C in hoher Dosierung über lange Zeiträume genommen wird, kann es bei entsprechend empfindlichen Personen zur Bildung von Nierensteinen führen. In höheren Dosierungen wirkt Vitamin C nicht mehr antioxidativ, sondern stimuliert sogar selbst die Bildung freier Radikale.

Vitamin A: Erwachsene Menschen sollten mit 0,8 mg bis 1 mg Vitamin A pro Tag ausreichend ernährt sein (Vorkommen: Leber, Fisch, Milchprodukte, Eier). Zu hohe Konzentrationen von Vitamin A können sich sehr giftig auswirken. Zu den möglichen Komplikationen zählen Kopfschmerzen, Haarausfall, bei Einnahmen über längeren Zeitraum auch Knochenschwund. Wenn Vitamin A als Carotin aufgenommen (ein Provitamin, das vor allem in Karotten vorkommt) wird, ist es ungiftig und schließt eine Überdosierung aus.

Vitamin E: Ein Mangel ist bei normaler ausgewogener Ernährung ausgesprochen selten. Da Vitamin E durch die Wirkung von Vitamin C ständig erneuert wird, ist der Vitamin E-Bedarf relativ gering. Vitamin E erhöht signifikant (17 %) das Protatakrebsrisiko unter gesunden Männern.

Zin(oxid): Eine Nahrungsergänzung mit Zink sollte den Tagesbedarf (10 bis 15 mg) nicht überschreiten. Im AREDCocktail ist das 6- bis 8-fache des täglichen Zinkbedarfs enthalten. Eine chronische Überdosierung mit Zink hat primär einen Kupfermangel zur Folge, der wiederum eine so genannte hypochrome Anämie (Blutarmut, bei der die roten Blutkörperchen zu wenig sauerstoffbindendes Hämoglobin enthalten) auslösen kann.

Lutein: Lutein ist ebenfalls ein Carotinoid mit antioxidativer Wirkung (z.B. Bindung der freien Radikalen). Als Nahrungsergänzung in Medikamenten und Präparaten soll es der Entstehung von fotochemischen Schäden vorbeugen (keine antioxidative Wirkung). Die Schutzwirkung basiert allein auf der Absorption der schädlichen Strahlung. Eine Erhöhung von Lutein um 10% hat einen Anstieg des Blutspiegels an Lutein um 2,4% zur Folge. Bei regelmäßiger Einnahme erhöht sich die Dichte des Makulapigments. In der Populärliteratur werden dem Lutein und seinem Verwandten Zeaxanthin wundersame Eigenschaften zugeschrieben. Lutein und Zeaxanthin können im Körper nicht selbst hergestellt werden, sondern müssen von außen zugeführt werden.

In der fachwissenschaftlichen Literatur liest sich dies hingegen ganz anders. Die meisten wissenschaftlichen Autoren äußern sich über den Einsatz von Lutein sehr zurückhaltend. Besonders auch vor dem Hintergrund möglicher schädlicher Nebenwirkungen nach einem lang währenden Einsatz dieser Mittel in hoher Dosierung. So schreibt beispielsweise Dr. Stephen Beatty: "Bis zu dem Zeitpunkt, wo die gesundheitsfördernden Effekte einer Nahrungsergänzung mit Lutein und Zeaxanthin nicht eindeutig belegt sind und deren Langzeitsicherheit nicht gesichert ist, kann die routinemäßige Verordnung von Zubereitungen von Mikronährstoffen zur Vermeidung des Fortschreitens der altersbedingten Makuladegeneration, die diese Mittel enthalten, nicht gerechtfertigt werden. Jedoch sollten Patienten mit einer AMD oder solche mit einem Risiko, diese Krankheit zu bekommen, ermuntert werden, eine ausgewogene Nahrung, die reich an Obst und Gemüse ist, zu sich zu nehmen."

Professor Dr. Holz, Direktor der Universitätsaugenklinik Bonn, konkretisiert dies 2013 noch für AMD-Betroffene im deutschen Ärzteblatt: "Basierend auf den Ergebnissen der AREDS2-Studie kann bei trockener, früher AMD weder zur Einnahme der Makulapigmentbestandteile Lutein und Zeaxanthin noch von Omega-3-Fettsäuren geraten werden."

Selen: Neben dem chemischen Element Zink erfreut sich auch das Element Selen einer großen Beliebtheit unter den Nahrungsergänzungsstoffen. Regelmäßige Selendosen bis zu 4ooµg gelten noch als ungefährlich. Zu den Überdosierungssymptomen zählen neben Störungen des Magen-Darm-Trakts auch Haarausfall und Schädigung der peripheren Nerven. Selenhaltige Tabletten dürfen nicht zusammen mit Vitamin C eingenommen werden, da andernfalls elementares Selen entsteht, das im Magen-Darm-Trakt nicht resorbiert werden kann.

Grundsätzlich ist auf das Risiko hinzuweisen, Vitamin- und Mineralstoffpräparate in hohen Dosen und über längere Zeiträume ohne ärztliche Kontrolle einzunehmen. In den nach Ansicht der Experten qualitativ besten Studien erhöhte die Zufuhr von Vitaminsupplementen gar die Sterblichkeit signifikant, und zwar bei Vitamin A, bei Betacarotinen und bei Vitamin E. Bei Vitamin C und Selen zeigen sich keine Effekte (Cochrane-Collaboration, 2008).

Viele Verbraucher gehen davon aus, dass das, was auf dem Markt ist, auch unbedenklich sei. Aber das könne zumindest was die Vitamine angehe, ein Trugschluss sein, sagt Diana Rubin vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) im Magazin "Der Spiegel" 3/2012. Denn die Hersteller müssten, im Unterschied zu Arzneimitteln, die Unbedenklichkeit ihrer Präparate nicht nachweisen, sondern die Pillen einfach nur registrieren lassen. "Jeder, der so ein Präparat nimmt, sollte sich darüber klar sein, dass nicht geprüft ist, ob es auch wirkt", sagt Rubin. Sie geht sogar so weit, gesunden Menschen, die sich abwechslungsreich ernähren, klar davon abzuraten, Vitaminpräparate einzunehmen.

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5. Erfahrungsberichte mit der Behandlung von Nahrungsergänzungsmitteln

Vor allem in den letzten Jahren häuften sich die Aussagen der Betroffenen uns gegenüber insofern, als immer mehr Patienten angaben, von ihrem Augenarzt eine Probe eines Präparates, meist «Orthomol», «Orthovision» oder «Vitalux» etc. genannt, erhalten zu haben. Meistens wurde ihnen empfohlen, dies sei das Einzige, was man für sie tun könne. Man wisse nicht, ob es helfe, aber einen Versuch sei es vielleicht wert. Man müsse diese Präparate dauerhaft einnehmen.

Die meisten Betroffenen erklärten uns, sie hätten es mit "Vitaminpräparaten" versucht. Manche wollten diese weiterhin einnehmen, da sie sich dabei körperlich etwas wohler fühlten. Ein paar Betroffene berichteten von einem subjektiven Stillstand des Sehverlustes und merkten an, dass sie auch vor Einnahme der Präparate schon manchmal einen vorübergehenden Stillstand empfunden hatten. Viele nahmen es weiterhin, weil sie Angst hatten, sonst etwas zu verpassen.

Die meisten hatten die Einnahme aufgegeben, da die Makuladegeneration nicht erkennbar aufgehalten oder verlangsamt wurde. Einige teilten mit, dass sie sich bezüglich etwaiger Risiken durch die hohen Dosierungen unsicher fühlten und Angst vor späteren Folgen hätten.

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6. Stellungnahme zu der Behandlung mit Nahrungsergänzungsmitteln

Es ist bekannt, dass der Bedarf an Vitaminen für einen ausgeglichenen Körperhaushalt beim gesunden Menschen durch eine ausgewogene Ernährung gedeckt wird. Wir sind der Auffassung, dass es bei bestimmten Krankheiten sinnvoll sein kann, die Vitaminzufuhr zu erhöhen, denn es hat sich gezeigt, dass lang anhaltende oder massive Mangelzustände zu krankhaften Veränderungen an der Netzhaut führen können.

Wir denken jedoch, dass bei den meisten von Makuladegeneration Betroffenen kein solcher Mangel vorliegt. Wir sind der Überzeugung, dass im Falle von Makuladegeneration die Vitamine aus der Nahrung nicht ausreichend gut im Stoffwechsel genutzt werden können und der Netzhaut deshalb nicht in vollem Maße zugutekommen.

In einem degenerierenden Gewebe ist die Wirksamkeit von Vitaminen geringer. Eine Zusatzgabe von Vitaminen könnte einen Vorteil darstellen, wenn die bestehende Minderverwertung durch ein erhöhtes Angebot an Vitaminen ausgeglichen werden könnte. Diese Frage ist im Zusammenhang mit der Netzhaut noch nicht abschließend beantwortet. Die ARED-Studien geben lediglich Hinweise darauf.

Erstaunlich erscheint uns der durch die ARED-Studie dargestellte Zusammenhang, dass das Kombinationspräparat in einem fortgeschritteneren Stadium der Makuladegeneration wirkungsvoller sein soll als in Anfangsstadien. Befanden sich Betroffene zu Beginn der Studie in einem Anfangsstadium, so konnte innerhalb der Studiendauer von durchschnittlich 6,3 Jahren keine positive Wirkung des Kombinationspräparates festgestellt werden. In diesen Fällen erscheint demzufolge eine Einnahme nicht sinnvoll.

Wir halten es nicht für möglich, dass durch zusätzliche Gaben von Vitaminen etc. der Verlauf einer Makuladegeneration aufgehalten werden kann. Das hat auch die ARED-Studie bestätigt, die zeigt, dass sich lediglich die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von 6,3 Jahren eine schwere MD zu entwickeln, etwas verringerte. Bei Einnahme eines Placebos (Mittel ohne Wirkstoff) entwickelten 28% eine schwere MD. Bei Einnahme des Kombinationspräparates entwickelten 20% eine schwere MD.

Das National Eye Institute stellte fest, dass sich nur in bereits fortgeschrittener Stadien einer MD das "Risiko", eine schwere MD zu bekommen, verringerte, wenn man bestimmte Präparate einnahm.

Wir möchten hier den Begriff "Risiko" erläutern, um Missverständnissen und falschen Hoffnungen vorzubeugen. Nach 6,3 Jahren, so zeigte die Studie, war bei 20% statt 28% der Betroffenen mit fortgeschrittener MD diese in eine schwere Form übergegangen, wenn die besagten Präparate eingenommen wurden. Das heißt, der Zeitpunkt, zu dem sich eine schwere MD entwickelte, wurde etwas hinausgezögert. Das bedeutet statistisch, dass in diesen Fällen die Erblindung bei MD weniger schnell ablief.

Der Direktor des National Eye Institute (das nationale amerikanische Nationale Augeninstitut), Dr. med. Dr. phil. Paul A. Sieving, stellte zur ARED-Studie fest, dass die verwendeten Präparate eine Makuladegeneration weder heilen noch die verlorene Sehschärfe wieder herstellen können.

Insgesamt ist es erfreulich, dass wenigstens in bestimmten Fällen eine "Verlangsamung" des Sehschärfeverfalls festgestellt werden konnte, zumal insbesondere für die trockene Form der MD ansonsten keine wirksamen schulmedizinischen Verfahren zur Verfügung stehen.

Wir empfehlen grundsätzlich, die eventuelle Gabe dieser Präparate mit dem Augenarzt abzustimmen und die individuellen Aussichten und vor allen Dingen auch die Risiken zu besprechen. Insbesondere ist hier darauf hinzuweisen, dass bisher Aussagen zu Nebenwirkungen und Giftigkeit bei längerer Einnahme nicht gemacht werden können. Man sollte sich über Risiken der Präparatgabe oder einer etwaigen Überdosierung unbedingt informieren. Auch Vitamine sind Medikamente. Dr. rer. nat. Berke schreibt hierzu, die Einnahme zu großer Mengen eines Vitamins könne bei einigen, aber nicht allen Vitaminen zu Vergiftungserscheinungen führen.

Bei manchen deutschen Veröffentlichungen wird bei der Dosierung des Kombinationspräparates kein Kupferoxid aufgeführt. Demgegenüber steht die Aussage des Massachusetts Eye and Ear Infirmary, dass der Kupferzusatz sehr wichtig sei, da es aufgrund der Zinkgabe zu einer Kupfermangelanämie und deren Folgen im Körper kommen könne.

Wir hoffen, dass die Entwicklung auf dem Gebiet der Vitamine etc. weitergeht. Vielleicht können in Zukunft Mikronährstoffe über eine bessere Einstellung des Stoffwechsels den Verfall der Sehleistung bei Makuladegeneration günstiger beeinflussen als dies heute möglich ist. Für sinnvoll erachten wir auch, andere Kombinationen von Vitaminen, Mineralstoffen etc. als die in der ARED-Studie verwandten zu testen. Interessant erscheint uns auch, herauszufinden, ob Unterschiede in der Wirksamkeit von natürlichen und synthetischen bzw. naturidentischen Stoffen bestehen.

Dies scheint insbesondere für die Risiken schon klar zu sein. So sagt Gerhard Rechenkemmer, Präsident des Bundesinstituts für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe im Magazin "Der Spiegel" 3/2012: "Vitamine in Obst und Gemüse haben noch keinem geschadet, sie sind uneingeschränkt zu empfehlen". Deswegen empfiehlt er, statt Tabletten den Verzehr von Gemüse. Er räumt auch mit der Behauptung auf, dass die Produkte heute weniger Nährstoffe enthalten, als früher. "Aber das ist ein Märchen der Vitaminindustrie", sagt Rechenkemmer. Die landwirtschaftlichen Böden seien heute viel nährstoffreicher als früher.

Unseres Erachtens sollte in Zukunft auch mehr Gewicht auf die Erforschung der Ernährung bzw. deren Auswirkungen auf eine MD gelegt werden. Insgesamt stellen wir fest, dass Darstellungen der Wirksamkeit von Vitaminen in den Medien und in wissenschaftlichen Veröffentlichungen oftmals extrem unterschiedlich sind. Die Darstellungen in den Medien erinnern eher an Werbung und neigen oftmals zu übertriebenen Beschreibungen der Erfolge, was beim Großteil der Betroffenen zu vollkommen falschen Hoffnungen führen kann. Auch mögliche Risiken sind in der Bevölkerung nicht hinreichend bekannt. Die wissenschaftlichen Veröffentlichungen lesen sich, wenn es um Erfolge geht, wesentlich zurückhaltender.

Dies scheinen auch verschiedene Studien zu bestätigen, die Ende 2012 / Anfang 2013 festgestellt haben, dass künstliche Vitamine nicht unbedingt das halten, was sie versprechen. So kam die weltweit bekannte Cochrane Collaboration im Jahre 2012, die die Ergebnisse in Bezug auf MD von mehr als 60.000 Teilnehmern, die Vitaminpräparate zu sich nahmen, auswerteten, zu folgendem Schluss: "Wir konnten keinerlei Beweise finden, um die Einnahme von antioxidativen Nahrungsergänzungsmitteln zur primären und sekundären Prävention zu unterstützen."
(Bei der primären Prävention geht darum die Entstehung einer Krankheit zu verhindern. Die Sekundär-Prävention hat zum Ziel den Verlauf einer bereits bestehenden Krankheit positiv zu beeinflussen.)

Bei unserem Fazit möchten wir erneut Herrn Dr. Andreas Berke zu Wort kommen lassen, wie er dies in der DOZ vom Juli 2013, getan hat:

"Die Nahrungsergänzungsmittel sind für gesunde Personen, die sich normal ernähren, in der Regel überflüssig. Bei ausgewogener Ernährung bekommt der Körper alle Nährstoffe, die er braucht. Eine einseitige, unausgewogene Ernährungsweise kann durch Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln nicht kompensiert werden. Zur Prävention einer AMD sind Nahrungsergänzungsmittel nicht geeignet. Es lässt sich allenfalls ein mäßiger Nutzen bei bereits bestehender AMD nachweisen. Hier müssen mögliche Schäden, die durch die langwierige Einnahme speziell von Antioxidantien auftreten könne, dem geringen Nutzen gegenübergestellt werden. Die oben genannte Cochrane Studie folgert daher: «Es gibt zunehmende Beweise, dass die Einnahme von Vitamin E oder Beta-Carotinoide in Form von Nahrungsergänzungsmitteln weder eine AMD verhindern können, noch den Verlauf einer vorhandenen hinauszögern kann. Es gibt auch keinerlei Beweise bezüglich anderer antioxidativer Nahrungsergänzungsmittel, wie z.B. Vitamin C, Lutein und Zeaxanthin oder irgendeine der üblicherweise vermarkteten Multivitamin-Kombinationen.»

Nahrungsergänzungsmittel sind bequem in ihrer Anwendung und geben dem Betroffenen das Gefühl, etwas Gutes für die Gesundheit getan zu haben - insbesondere, wenn die Empfehlung dazu auch noch vom Augenarzt stammt. Leider hat sich gezeigt, dass zwischen dem gewünschten und dem tatsächlich erzielten Nutzen häufig eine große Diskrepanz besteht. Zudem gibt es auch noch Risiken, die in der Bevölkerung in der Regel deutlich unterschätzt werden. Im ungünstigsten Fall können Vitamine anscheinend sogar einen schädlichen Einfluss auf die Gesundheit des Körpers haben. Information tut hier Not! Wir hoffen diese Lücke etwas geschlossen zu haben, damit Sie besser entscheiden können, wie Sie mit diesen Nahrungsergänzungsmitteln umgehen.

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